19.06.2026
Ein Team aus 20 Expertinnen und Experten der Initiative „KulturGutRetter“ des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) war seit dem 15. Juni im Pritzwalker Ortsteil Mesendorf aktiv, um die dortige mittelalterliche Burgruine strukturell zu sichern.
Der Arbeitseinsatz erstreckte sich über vier Tage. In die Region geholt hatte die „KulturGutRetter“ der Sachbereich Denkmalschutz der Kreisverwaltung Prignitz. Sämtliche Arbeiten vor Ort wurden in enger fachlicher und organisatorischer Abstimmung durchgeführt.
Akute Schäden an der barocken Kirche rücken in den Fokus
Für die „KulturGutRetter“ war es keineswegs der erste Einsatz in Mesendorf: Bereits 2025 führten sie Arbeiten an der Burgruine durch, die sich im Park des einstigen Rittergutes befindet. Im Rahmen der diesjährigen Praxisübung weitete das Einsatzteam sein Arbeitsfeld allerdings spontan aus. Die benachbarte Dorfkirche mit ihrem stark geschädigten Kirchturm rückte akut in den Fokus der Experten.
Der barocke Kirchturm stammt aus dem 18. Jahrhundert; er wurde direkt über einer historischen Gruft errichtet. Aufgrund massiver baulicher Mängel musste die Anlage erst kürzlich für die Öffentlichkeit komplett gesperrt werden. Es besteht erhebliche Gefahr, da lose Bauteile und Verputzstücke unkontrolliert in die Tiefe stürzen.
Die „KulturGutRetter“ nutzten die Gelegenheit, um von außen eine detaillierte erste Bestandaufnahme vorzunehmen. Dabei lokalisierten sie präzise die Schadensschwerpunkte, um eine Datengrundlage für spätere Sanierungen zu schaffen.
Wissenschaftliche Begleitung: Bauhistorie und Tourismuskonzept
An der Mesendorfer Burgruine wiederum führten die „KulturGutRetter“ Arbeiten zur Sicherung des Mauerwerks durch. Parallel dazu wird die Ruine derzeit außerdem wissenschaftlich untersucht. Im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Technischen Universität Berlin befasst sich die Studentin Mina Kraul mit der mittelalterlichen Anlage. Sie führte bereits eine umfassende bauhistorische Bestandsaufnahme durch, bei der sie die über Jahrhunderte entstandenen und heute noch ablesbaren Bauphasen der einstigen Festung exakt einordnen konnte.
Darüber hinaus fließen in Krauls Arbeit konkrete Entwürfe ein: So untersucht die junge Wissenschaftlerin verschiedene Varianten einer behutsamen, denkmalgerechten touristischen Erschließung der historischen Burganlage. Ziel ist es, das Areal langfristig für Besucher sicher zugänglich zu machen. Eine Fortführung der dringenden Erhaltungsmaßnahmen ist bereits für den kommenden September geplant.
Praxisübung für den internationalen Kulturgutschutz
Der viertägige Einsatz in der Prignitz diente den „KulturGutRettern“ zugleich als wichtiges Training. Die vom Auswärtigen Amt finanzierte Auslandseinheit „Cultural Heritage Response Unit (CHRU)“ der „KulturGutRetter“ probt an realen Objekten den Ernstfall. Die Initiative – getragen vom DAI, der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) und dem Leibniz-Zentrum für Archäologie (LEIZA) – ist darauf spezialisiert, nach weltweiten Naturkatastrophen oder bewaffneten Konflikten schnelle Nothilfe zur Rettung beschädigter Denkmäler und Kulturgüter zu leisten. Die in Mesendorf verfeinerten Dokumentations- und Sicherungsverfahren fließen direkt in die Einsatzstandards für künftige internationale Hilfsmissionen ein.
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